Warum es so schwer fällt, das Rauchen aufzugeben

Die meisten Raucher sind sich der Argumente, die gegen das Rauchen sprechen, sehr bewusst. Jeder Raucher in meinem Freundes- und Bekanntenkreis kennt sie. Auch ich kannte sie, aber es fiel mir sehr schwer, sie auf mein eigenes Leben zu übertragen. Ich halte mich für einen rationalen und vernünftigen Menschen, aber was das Rauchen betrifft, setzte mein Verstand aus. Es war sehr schwer, mich dazu zu motivieren, nicht mehr zu rauchen.

Stets war mir bewusst, dass ich mit 7 EUR pro Schachtel viel Geld für Zigaretten ausgebe. Aber schon bei der Berechnung, was mich die Zigaretten im Monat kosten, machte der Kopf nicht mehr mit. In meinem Fall waren das 14 EUR pro Tag, also 420 EUR im Monat. Ich konnte in diese Richtung nicht denken, habe das vollständig verdrängt. Die täglichen Zigaretten brauchte ich einfach, der Preis war nicht verhandelbar, also lohnte es sich nicht, weiter darüber nachzudenken.

Als bei mir der Raucherhusten einsetzte, habe ich das nicht als Konsequenz meiner Raucherei sehen können, sondern mir und den Menschen um mich herum erzählt, ich sei erkältet. Ich konnte es nicht zulassen, etwas anderes zu denken, und ich habe mir diese Geschichte selbst eine Weile geglaubt. Ein halbes Jahr lang habe ich sogar Tabletten gegen Husten eingenommen.

Tatsächlich habe ich mich lange Zeit nicht als süchtig betrachten können. In einer Welt, in der das Rauchen immer mehr verpönt ist, habe ich mich als Raucher für besonders selbstbestimmt und individualistisch gehalten. Gerade so, als sei ich ein Kämpfer für die Freiheit einer unterdrückten Minderheit.

Es war für mich deshalb so schwer, mit dem Rauchen aufzuhören, weil ich süchtig war. Mein Denken funktionierte nicht mehr richtig. Alle rationalen Argumente wurden für mich belanglos, und selbst meine Wahrnehmung der Realität habe ich so verdreht, dass ich in meiner Sucht bleiben konnte. Es war ein langer und qualvoller Prozess, trotzdem die Energie aufzubringen, mich gegen das Rauchen zu entscheiden und tatsächlich aufzuhören. 

Das positive Selbstbild des Rauchers

Ich bin schon etwas älter und habe in meiner Jugend die positive Vermarktung der Zigarette noch mit voller Wucht abbekommen. Als wäre es nicht schon genug, dass mein süchtiges Gehirn jedes Vernunftsargument locker verleugnen konnte, hatte ich außerdem ein ausgesprochen positives Selbstbild von mir als Raucher.

Bei mir haben sich Bilder früh und sehr fest eingeprägt. Raucher sind Individualisten, heben sich von der breiten Masse ab und gehen ihren eigenen Weg. Sie sind verwegen und abenteuerlustig und meistern mit Leichtigkeit die schwierigsten Situationen, haben die Dinge unter Kontrolle und gestalten die Welt.

Nichtraucher sind die anderen. Was die darstellen sollen, habe ich nicht gelernt. Niemand hat Geld investiert, um ein cooles Nichtraucher-Image aufzubauen. Bei mir ist über die Jahre ein Gefühl der Zugehörigkeit und Solidarität entstanden. Ich wollte auch als cooler, geselliger, handlungsfähiger Mensch gesehen werden, der die Welt im Griff hat und gestaltet. Als Raucher war ich das, davon war ich überzeugt. Ich wollte kein Nichtraucher sein.

Wie ich meine Motivation gefunden habe

Es gibt viele Ratgeber im Internet, die Raucher dabei unterstützen möchten, aufzuhören. Die meisten sind sich darüber einig, dass dazu eine feste Entscheidung nötig ist, und dass es eine gute Motivation braucht, diese Entscheidung zu treffen und dabei zu bleiben.

Die Vorschläge zur Motivation sind gut gemeint: Vom gesparten Geld kann man sich etwas Schönes leisten, etwa einen zusätzlichen Urlaub im Jahr. Die Wohnung riecht besser, die Kleider riechen besser, die Gesundheit verbessert sich, das Leben verlängert sich.

Merken Sie was? Das sind die gleichen Dinge, die ich eingangs als rationale Gründe gegen das Rauchen genannt habe. Für mein suchtkrankes Gehirn war es ein Leichtes, diese Vorschläge auszublenden.

Rückblickend wäre ich froh, wenn irgendeine dieser Motivationshilfen früher bei mir verfangen hätte. Leider hat es für mich nie auf diese Weise funktioniert.

Ich habe es mir leisten können zu rauchen, deshalb war das Sparargument nicht wichtig. Ein 10 Jahre längeres Leben? Die Vorstellung war mir zu abstrakt. Ich lebe heute, ob ich rauche oder nicht. Und ich bekomme zusätzliche 10 Jahre nicht jetzt, sondern am Ende meines Lebens. Aus meiner jugendlichen Perspektive habe ich nicht erkennen können, welchen Unterschied es machen sollte, ob ich mit 85 oder mit 95 sterbe. Alle gut gemeinten Ratschläge, die mich motivieren sollten, lösten sich buchstäblich in Rauch auf.

Ich habe allerdings in den letzten vierzig Jahren mehrmals nicht geraucht, mitunter auch für anderthalb Jahre nicht. Jedes Mal, wenn ich das angegangen bin und geschafft habe, war die Motivation sehr stark und sehr persönlich.

Einmal habe ich mich unsterblich in eine Nichtraucherin verliebt und habe ihr zuliebe aufgehört. Ein anderes Mal war ich krank, und eine Zigarette zu rauchen, löste unmittelbar starke Magenschmerzen aus. Tatsächlich bestand zwischen meiner Raucherei und der Krankheit kein unmittelbarer Zusammenhang. Aber dass eine Zigarette unmittelbar zu Schmerzen führte, war für mich Zusammenhang genug, und ich bekam es mit der Angst zu tun. Angst kann unglaublich motivierend wirken.

Ich wünschte, ich könnte Ihnen berichten, wie ich es mit einem Kniff geschafft habe, mich in guter Weise dazu zu motivieren, das Rauchen aufzugeben. Gern würde ich Ihnen Tipps geben, wie auch Sie das leicht hinkriegen. Aber ich muss zugeben, dass mir das nicht gelungen ist. Ich habe weitergeraucht, bis ich gesundheitlich so sehr beeinträchtigt war, dass es mir nicht mehr möglich war, die Dinge zu verharmlosen und zu verleugnen.

Mein allmorgendlicher Husten wurde brutal. Ich hustete mir die Seele aus dem Leib. Über den Tag hinweg gehörte gelegentliches Husten zu meinen normalen Atemgeräuschen. Mir selbst ist das nicht aufgefallen, meine Familie und Freunde haben mich darauf aufmerksam gemacht. Ich habe aufgehört, mich viel zu bewegen, weil ich dafür zu kurzatmig war. Ich habe enorm Gewicht zugelegt, weil ich mich nicht mehr bewegte. Zum Schluss empfand ich das Leben aufgrund der massiven Beeinträchtigungen nicht mehr als besonders lebenswert.

Ich bekam Angst, und diese Angst gab den Ausschlag und hat mich dann endlich ausreichend motiviert. Ich hoffe, dass Sie es schaffen, die Kurve besser, leichter und vor allem früher zu kriegen.

Da fällt mir ein, einen kleinen Kniff habe ich doch für Sie: Ich habe mich gern als Raucher gesehen, weil das die coolen Jungs sind. Zu den Nichtrauchern wollte ich nicht gehören. Ich konnte deshalb nicht gut danach streben, Nichtraucher zu sein. Ich habe es aber geschafft, meinen Kopf auszutricksen.

Ich bin ich nämlich mental bewusst ein Raucher geblieben. Aber ein Raucher, der gerade in freier Entscheidung keine Zigaretten raucht. Mit der Vorstellung, zu den Nichtrauchern zu gehören, kam mein Kopf nicht gut klar. Mit der Vorstellung, Raucher zu sein und nicht zu rauchen, aber kam ich gut zurecht. Komisch, das sowas funktioniert. Aber bei mir war es so.

Wie ich die Welt nach zwei Jahren ohne Zigarette sehe

Ich bin nun zwei Jahre rauchfrei. Nein, das stimmt nicht ganz. Ich habe in jedem der beiden Jahre jeweils eine einzige Zigarette geraucht. Bei beiden Anlässen habe ich alte Freunde besucht, mit denen ich früher zusammen geraucht habe. Und ich fuhr mit dem festen Vorsatz hin, wie in alten Zeiten eine mitzurauchen.

Früher habe ich meine rauchenden Freunde oft gesehen. Heute wohnen wir an verschiedenen Plätzen auf der Welt, so dass das nicht mehr möglich ist. Ich habe gute Erinnerungen an die Zeit, als wir uns regelmäßig sahen. Und diese guten Erinnnerungen schlossen das Rauchen ein.

In beiden Jahren war die Zigarette, die ich in Erinnerung an die alten Zeiten mitgeraucht habe, eine furchtbare Ernüchterung. Ich empfand den Geschmack als giftig und ausgesprochen unangenehm. Beim Zug an der Zigarette passierte nichts, es war völlig unbefriedigend. So habe ich das niemals wahrgenommen, als ich noch regelmäßig rauchte. Es war gruselig. Ich war maßlos enttäuscht.

Als ich im zweiten Jahr die zweite Zigarette rauchte, wollte ich im Grunde wissen, ob die Zigarette vom Vorjahr vielleicht irgendwie kaputt war und ein Einzelfall. War sie nicht. Die zweite Zigarette war genauso schlimm wie die erste. Die schönen Erinnerungen sind Erinnerungen an mit guten Freunden gut verbrachte gemeinsame Zeit, nicht an schönes Rauchen. Das habe ich jetzt endlich sortiert.

Die Gründe gegen das Rauchen, die damals nicht die Kraft hatten, mich zum Aufhören zu bewegen, haben heute für mich große Bedeutung gewonnen. Heute bin ich viel gesunder als damals, huste nicht mehr und bin nicht mehr kurzatmig. Ich weiß das sehr zu würdigen. Unter keinen Umständen will ich dahin zurück, wo ich mit Zigaretten war. 

Ich wünschte, ich hätte es früher geschafft, die Bremse zu ziehen. So fit wie heute wollte ich mich die ganze Zeit fühlen. Ich bin nicht besonders zufrieden mit mir, dass ich die Husterei so lange freiwillig ertragen habe. Sei's drum, das liegt nun alles "hinter dem Pflug". Heute ist es gut.

Auch der Gedanke, dass ich freiwillig jedes Jahr mehr Geld für Zigaretten ausgegeben habe, als ich dafür brauche, mein Haus zu heizen und mit Strom, Internet und Telefon zu versorgen, lässt mich heute den Kopf schütteln.

Am meisten macht mir heute mein früheres Selbstbild als Raucher zu schaffen. War ich wirklich selbstbestimmt auf eigenen Wegen unterwegs, individualistisch und frei? Wohl kaum. Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückblicke, habe ich mich bei keiner Entscheidung jemals so klein, jämmerlich, fremd gesteuert und unfrei gefühlt wie bei meinem Umgang mit der Zigarette. Ich bin beschämt darüber, wie sehr diese Sucht Macht über mich gewinnen konnte.

Aber letztlich bin ich froh, dass ich es geschafft habe. Das Leben ist schöner heute, und das allein zählt. Die E-Zigarette spielt heute nach wie vor eine große Rolle für mich, aber sie lässt mich nicht leiden. Sie belastet mich gefühlt gesundheitlich in keiner Weise. Stattdessen ist sie mir eine Freude und ein Genuss, den ich mir gern erlaube.

Ob Sie nun mit oder ohne die Unterstützung der E-Zigarette das Rauchen aufgeben möchten: Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie die starke Motivation, die Ihre Entscheidung tragen kann, etwas leichter finden als ich.

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