USA: Berichte über Lungenkrankheit im Zusammenhang mit E-Zigaretten

Acht Menschen sind in den USA an einer Lungenkrankheit gestorben, die das amerikanische Center for Desease Control and Prevention (CDC) mit der Benutzung von E-Zigaretten in Zusammenhang bringt.

Verständlicherweise erzeugt das bei Dampfern Sorge um die eigene Gesundheit. Raucher wechseln zur E-Zigarette in der Annahme, dass sie damit eine im Vergleich zur Zigarette sicherere und gesundere Form des Nikotinkonsums gefunden haben. Sie könnten nun zu der Ansicht gelangen, dass E-Zigaretten möglicherweise sogar gefährlicher sind als Tabakzigaretten. Für das frisch gewonnene neue Lebensgefühl wäre das gar nicht gut.

Bedauerlicherweise scheint es hierzulande keine detaillierte faktenbezogene Berichterstattung zu diesem wichtigen Thema zu geben. Die Mainstream-Presse stilisiert auf der einen Seite die Geschehnisse vereinfachend zu einer allgemeinen Gefahr durch E-Zigaretten hoch. Die E-Zigaretten-Branche warnt auf der anderen Seite davor, den Meldungen der Mainstream-Presse zu glauben, beschränkt sich aber weitgehend auf Kritik an den Berichterstattern. Einen eigenen inhaltlichen Beitrag zur Diskussion leistet sie nicht. Detaillierte Informationen über die Sachlage sucht man auf beiden Seiten leider bisher vergebens.

In diesem Artikel haben wir das Geschehen der letzten Monate anhand von Berichten der amerikanischen Gesundheitsbehörden nachvollzogen und zusammengefasst. Weiter finden Sie detaillierte Informationen zum aktuellen Stand der Untersuchungen sowie Bewertungen durch renommierte Forscher. 

Wir haben natürlich bei vapee.de unsere Meinung zu dem Thema. Diese wollen wir Ihnen nicht vorenthalten. Sie finden unsere ausführliche Stellungnahme am Ende des Artikels. Aber machen Sie sich zunächst selbst ein Bild: Ist die E-Zigarette gefährlich für Sie?

Was bisher passiert ist

Am 17. August 2019 berichtete das CDC, dass sie rund 94 Fälle von dampfbedingten Krankheiten in 14 US-Bundesstaaten untersucht. Diese Zahl stieg schnell auf 200 Fälle in 22 Bundesstaaten an.

Laut einem Bericht des New England Journal of Medicine sind die häufigsten Symptome Kurzatmigkeit, Husten, Brustschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und Fieber.

Am 23. August 2019 wurde im Bundesstaat Illinois über einen ersten Todesfall im Zusammenhang mit diesem Krankheitsbild berichtet. Die Details dazu sind dürftig, aber der Patient wurde mit schweren Atembeschwerden ins Krankenhaus eingeliefert. Am 3. September begann die Gesundheitsbehörde in Oregon, den Tod eines Mannes im mittleren Alter zu untersuchen, der krank geworden war, nachdem er Marihuanaöl gedampft hatte. In der nächsten Woche wurden weitere Todesfälle in den Bundesstaaten Indiana, Minnesota, Kalifornien und Kansas gemeldet.

Das CDC berichtete am 12. September 380 bestätigte und wahrscheinliche Fälle im Zusammenhang mit der Krankheit. Da das CDC nicht jeden vagen Verdachtsfall, sondern nur solche Fälle berichtet, die auf einem ausreichenden hohen Niveau untersucht wurden, besteht die Möglichkeit, dass die Dunkelziffer höher liegt.

Das CDC wies darauf hin, dass in den meisten der berichteten Fälle THC-haltige E-Liquids konsumiert worden sind. THC (Tetrahydrocannabidiol) ist ein wichtiger Inhaltsstoff der Marihuana-Pflanze. Anders als in Deutschland ist Marihuana in einigen US-Bundesstaaten legal, zum Beispiel in Kalifornien.

Die Erkrankung weist von den Symptomen her Ähnlichkeit mit der Lipidpneumonie auf, die durch Öl in der Lunge verursacht wird. THC wird E-Liquids als THC-Öl zugesetzt. Ein Zusammenhang der Entstehung der Krankheit mit dem Vorhandensein des THC-Öls im E-Liquid ist nicht nachgewiesen, kann aber nach aktuellem Stand der Untersuchungen auch nicht ausgeschlossen werden.

Möglicher Zusammenhang mit dem Konsum von THC-Produkten

Nach allem, was bisher bekannt geworden ist, sieht es so aus, als ob die allermeisten Krankheitsfälle in direktem Zusammenhang mit dem Konsum von THC-haltigen E-Liquids stehen. Dies wird sowohl vom oben bereits zitierten Artikel des New England Journal of Medicine als auch von Nachrichten aus verschiedenen US-Bundesstaaten unterstützt.

In einzelnen Fällen gaben die Patienten allerdings an, dass Sie nikotinhaltige E-Liquids verwendet hätten. Es kann nicht völlig ausgeschlossen werden, dass auch diese Angaben zutreffen. Zu bedenken ist aber, dass THC-haltige E-Liquids in vielen US-Bundesstaaten verboten sind. Die Anwender solcher Produkte gäben deren Konsum möglicherweise nicht zu, wenn das zu einer Strafverfolgung führen würde.

Die FDA (US Food and Drug Administration) konzentriert Ihre Aufklärungsaktivitäten im Zusammenhang mit der Erkrankung klar und eindeutig auf THC-haltige Produkte, nicht auf nikotinhaltige E-Liquids, wie sie in den USA und in Deutschland verwendet werden.

Vitamin E-Acetat als möglicher Krankheitsauslöser

Die Untersuchungen haben womöglich Hinweise auf die eigentliche Ursache der Krankheit geliefert. Sie deuten auf eine Chemikalie namens Vitamin E-Acetat. Vitamin klingt gesund, aber Vitamin E-Acetat im E-Liquid ist es nicht. Vitamin E-Acetat ist technisch gesehen kein Öl, hat aber ähnliche Eigenschaften und ist in Öl löslich. Man vermutet ähnliche Risiken bei der Inhalation von Vitamin E-Acetat wie bei der Inhalation von Öl.

Das Gesundheitsministerium des Staates New York stellte fest, dass Vitamin E-Acetat in 13 der Proben, die von acht der Patienten, die die Krankheit in New York entwickelt haben, entnommen wurden, in "sehr hohen Konzentrationen" gefunden wurde. Gesundheitskommissar Dr. Howard Zucker sagte: "Das ist die beste Theorie oder Hypothese, die wir im Moment haben. Wir haben allerdings nicht ausgeschlossen, dass es im E-Liquid anderes geben könnte, das als Krankheitsursache in Betracht kommt." Er fügte hinzu, dass die Produkte, die Vitamin E-Acetat enthielten, vom Schwarzmarkt stammten und nicht im medizinischen Marihuana-Programm des Staates verwendet wurden.

Auch die FDA hat Vitamin E-Acetat in eigenen Tests gefunden. Sie sagt dazu, dass sie die Substanz nicht definitiv als Ursache für die Krankheit bestätigen kann, rät aber dringend davon ab, Produkte zu inhalieren, die Vitamin E-Acetat enthalten.

Die Washington Post zitiert Michelle Francl, Chemieprofessorin am Bryn Mawr College, die Vitamin E-Acetat als "grundsätzliches Fett" bezeichnete und betonte, dass es auf hohe Temperaturen (von über 363 Grad Fahrenheit, also 184 Grad Celsius) erhitzt werden muss, um zu verdampfen, danach kann es sich möglicherweise in "wer weiß was" auflösen. Wenn der Dampf jedoch die Lunge erreicht und sich abkühlt, kehrt er in seinen ursprünglichen Zustand zurück. Sie sagt: "Danach ist die Innenseite deiner Lunge mit diesem Öl bedeckt."

Leafly, eine führende Cannabis-Publikation, beschreibt das Problem in einem ausführlichen Artikel und diskutiert die Gründe, warum Vitamin E-Acetat in etwa 60 bis 70 Prozent der getesteten THC-Verdampfer gefunden wurde. Schwarzmarktverkäufer verdünnen das THC-Öl mit anderen (in der Vergangenheit ölfreien) Substanzen, um die Gewinnmargen zu erhöhen. Bei den Verbrauchern gäbe es aber in jüngerer Zeit den Trend, die Reinheit anhand der Viskosität des gekauften E-Liquids zu beurteilen. Je zähflüssiger, umso stärker und reiner und damit besser, so glauben die Verbraucher. Dies hätte die Verkäufer dazu veranlasst, ein zähflüssigeres (aber nicht unbedingt stärkeres) Produkt herzustellen. Zur Erhöhung der Viskosität des E-Liquids verwenden sie häufig Vitamin E-Acetat.

Das Auftreten der Krankheit aus epidemiologischer Sicht

Seit 2005 wird das Dampfen weltweit immer beliebter. Krankheitsfälle wie die aus USA in den jüngsten Tagen sind bisher aus keinem Teil der Welt berichtet worden.

Wenn es sich bei den Erkrankungen um eine bisher unbekannnte Langzeitfolge des Dampfens handelt, ist es nicht nachvollziehbar, dass sie ausschließlich in den USA auftritt. Sie müsste in vielen Gegenden der Welt zu beobachten sein, wo  die E-Zigarette seit mehr als einem Jahrzehnt etabliert ist.

So betont auch Dr. Konstantinos Farsalinos in seinem Blogbeitrag zu diesem Thema, dass es aus epidemiologischer Sicht nicht sinnvoll ist, die lokal begrenzt auftretenden Manifestationen der Krankheit mit dem Dampfen (von nikotinhaltigen Liquids) im Allgemeinen in Zusammenhang zu bringen.

Unsere Bewertung

Nach aktuellem Stand der Forschung können Raucher ihr gesundheitliches Risiko um mindestens 95% reduzieren, wenn sie zur E-Zigarette wechseln. Eine der renommiertesten und meistzitierten Studien, die diese Behauptung stützen, wurde im Jahr 2015 von Public Health England veröffentlicht. Seither erfährt die Studie regelmäßige Updates, zuletzt im Februar 2019.

Selbstverständlich darf dies Aussage nicht zum Glaubenssatz verkommen und muss stets mit dem aktuellen Stand der Forschung abgeglichen und möglicherweise auch verworfen werden, wenn sich die Faktenlage ändert. Den Umgang der deutschen Presse mit den Krankheitsfällen aus den USA halten wir allerdings für grob fahrlässig.

Es gibt nach aktuellem Stand der Untersuchungen keine Faktenlage, die es rechtfertigen würde, von einer generellen Gefahr durch E-Zigaretten auszugehen. Wenn die Medien eine solche generelle Gefahr suggerieren, und damit Raucher verunsichern und von der E-Zigarette abhalten, richten sie Schaden an. Und damit meinen wir nicht den Schaden, der der E-Zigaretten-Branche entsteht. Wir würden uns sehr über eine investigative, verantwortungsvolle und um Objektivität bemühte Berichterstattung freuen, die sich auf eine intensive Recherche aller relevanter Fakten stützt.

Wir bei vapee.de kommen anhand der detaillierten Berichterstattung der Behörden und Medien in den USA zu dem Schluss, dass nach aktueller Faktenlage und Stand der Untersuchungen nicht davon auszugehen ist, dass von E-Zigaretten eine bisher unbekannte Gefahr ausgeht.

Aus epidemiologischer Sicht müsste die Krankheit in vielen Regionen der Welt auftreten, wenn Sie eine Langzeitfolge des E-Zigarettenkonsums wäre. Da dies nicht der Fall ist, gehen wir davon aus, dass die aktuellen Vorfälle in den USA ein lokales Phänomen sind, das nicht mit allgemeinen Risiken der E-Zigarette erklärt werden kann.

Das Krankheitsbild ähnelt symptomatisch der Lipidpneumonie, die durch das Einatmen von Ölen und Fetten verursacht wird. Derartige Substanzen finden sich in THC-haltigen Liquids, wie sie über den Schwarzmarkt oder in manchen US-Bundesstaaten legal gekauft werden können. Die Ergebnisse der laufenden Untersuchungen erhärten den Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Krankheit und dem Konsum Vitamin E-Acetat-haltigen Liquids immer mehr.

Insbesondere würde die Verwendung dieser oder ähnlicher Substanzen durch bestimmte Hersteller auch erklären, warum die Krankheit nur da auftritt, wo diese Produkte auf dem Markt sind. Bei vapee.de gehen wir deshalb davon aus, dass mit weiterem Fortschreiten der Untersuchung bestimmte Produktgruppen oder vielleicht sogar einzelne Produkte oder Substanzen als Auslöser der Krankheit identifiziert werden können.

Nikotinhaltige E-Liquids, wie sie seit Jahren in Deutschland und in den USA im Handel sind, enthalten keine Öle und Fette und auch kein Vitamin E-Acatat. Die Krankheitssymptome passen nicht zu Symptombildern, die bei der Inhalation von pflanzlichem Glycerin (VG) und Propylenglykol (PG) in seltenen Fällen (etwa bei PG-Überempfindlichkeit oder PG-Allergie) auftreten können. PG und VG sind die Hauptbestandteile nikotinhaltiger E-Liquids.

Wir halten es daher für sehr unwahrscheinlich, dass E-Liquids, die Sie bei vapee.de erwerben, die in den USA beobachtete Krankeheit auslösen können. Dies betrifft sowohl die gebrauchsfertigen E-Liquids als auch die Shake & Vape Liquids und Aromen, mit denen Sie Ihr Liquid selbst mischen. Sie sollten sich natürlich an die Vorgaben halten und nicht irgendwelche Substanzen - wie etwa Öle und Fette - in das Liquid mischen, die dafür nicht vorgesehen sind.

Wir bleiben dabei: Die E-Zigarette ist unserer Überzeugung nach der zweitbeste Weg, mit dem Rauchen aufzuhören. Ein Artikel des Deutschen Ärzteblattes verweist auf eine Studie aus dem Jahr 2019, die zeigt, dass die Erfolgsquote der Rauchentwöhnung mit E-Zigaretten doppelt so hoch ist wie mit anderen Nikotinersatzprodukten (Nikotinkaugummies, -pflaster und dergleichen). Der beste Weg bleibt aber, sowohl auf Zigaretten als auch auf irgenwelche Ersatzprodukte völlig zu verzichten. Das schafft aber längst nicht jeder. Eine besondere Gefährdung durch E-Zigaretten können wir auf der Grundlage der Geschehnisse in den USA und nach aktueller Faktenlage zur Zeit nicht erkennen.

Sollten wir unsere Bewertung irgendwann auf der Grundlage neuer Erkenntnisse revidieren müssen, könnten wir den Verkauf von E-Zigaretten nicht länger vertreten. Wir sind mit der Überzeugung angetreten, dass Raucher ihr gesundheitliches Risiko deutlich reduzieren und ihre Lebensqualität verbessern können, wenn sie die Zigarette gegen die E-Zigarette eintauschen. Das ist unsere Geschäftsgrundlage.

Letzte Sicherheiten gibt es im Leben allerdings nie. Wenn Sie jeden Zweifel ausschließen möchten, lassen Sie die E-Zigarette sicherheitshalber solange weg, bis die Ursache der Krankheitsfälle endgültig aufgeklärt ist. Aber bleiben Sie bitte trotzdem dabei, nicht zu rauchen.

In Deutschland sterben jedes Jahr mehr als 120.000 Menschen an den Folgen des Zigarettenkonsums. Das Rauchen ist also keine Option, möglichen Gefahren der E-Zigarette aus dem Wege zu gehen. Sie schießen sich ja auch keine Kugel durch den Kopf, um zu vermeiden, mit dem Auto zu verunglücken.

Was denken Sie? Geben die Berichte aus den USA Anlass zur Besorgnis? Werden Sie die E-Zigarette aufgeben? Oder das Rauchen wieder anfangen? Wir sind sehr gespannt auf Ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema. Möchten Sie einen Kommentar schreiben? Wir würden uns freuen.

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