IQOS - Erfahrungen mit dem Tabakerhitzer

Das Akronym IQOS steht für "I Quit Ordinary Smoking". IQOS wird als weniger schädlicher Ersatz für die Zigarette beworben. Das Produkt kommt vom Tabakriesen Philip Morris International, der die Vermarktung mit sehr großem Aufwand betreibt.

IQOS funktioniert mit elektrischem Strom, ist aber keine E-Zigarette (Dampfe), sondern ein Tabakerhitzer. Man benötigt spezielle Tabaksticks, die sogenannten Heets. Sie unterscheiden sich von normalen Zigaretten, werden aber wie diese zum Preis von 6 EUR in Packungen mit 20 Stück verkauft. Um einen Heet zu rauchen, steckt man ihn in das IQOS-Gerät, und schaltet es ein. Nach einer Aufheizzeit von ungefähr 15 Sekunden kann man dann etwa 12 Züge machen, bevor das Gerät abschaltet. IQOS simuliert also in etwa das Rauchen einer Zigarette. Wie IQOS genau aufgebaut ist und funktioniert, beschreibt dieser Artikel auf vapers.guru so schön, dass ich auf eine Nacherzählung der Details verzichten möchte.

Ich habe IQOS ausprobiert, nachdem ich bereits ein Jahr auf die Dampfe umgestiegen war. Weil ich gern wissen wollte, ob ich mich an den Tabakerhitzer gewöhnen kann, habe ich mir ein paar Monate Zeit dafür genommen. Dies sind meine persönlichen Erfahrungen mit IQOS. 

Eingewöhnung

IQOS liefert einen ähnlichen Geschmack wie eine Zigarette, aber wesentlich dünner. Etliche Raucher, die ich kenne, sagen, IQOS schmecke nach nichts. Wer Zigarette und IQOS gleichzeitig nutzt, wird IQOS bald wieder lassen, da es gegen die Zigarette nicht anstinken kann. Reduzieren kann man seinen Zigarettenkonsum damit also nicht gut. Man muss ganz wechseln. Und auch dann gilt es, eine Eingewöhnungszeit durchzuhalten.

Entzugserscheinungen litt ich bei der Umstellung auf IQOS nicht. Ein IQOS Heet scheint in etwa die Nikotinmenge zu liefern wie ein Zigarette. Sehr ärgerlich - nicht nur bei der Umstellung, aber besonders da - ist die Qualität der IQOS Heets. Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, gut jeder fünfte Heet ist nicht in Ordnung. Wenn der Hersteller sich das bei seinen Zigaretten erlauben würde, wäre vermutlich ordentlich Stimmung im Land.

Manche Heets waren so fest gerollt, dass ich sie nicht ins Gerät bekommen habe, ohne sie abzubrechen. Andere waren schlecht geklebt. Weil die Nebenluft zogen, blieb von dem ohnehin dünnen Geschmack nichts übrig. Und dann gab es noch die, die es aus Gründen, die mir ein Mysterium geblieben sind, nicht taten. 6 EUR für 20 Heets, aber im Schnitt 7,20 EUR für 20 "gute" Heets. Ärgerlich, unsympathisch und sehr teuer.

IQOS fühlt sich - zum Guten wie zum Schlechten - sehr "zigarettig" an. Ich habe einen Papierfilter im Mund, eine zu "heeten" dauert so um die drei Minuten. Es gibt einen Throat Hit, das leichte Kratzen im Hals, das wir so lieben. Je länger ich IQOS benutzte, umso mehr Kratzen hatte ich im Hals.

Jedenfalls konnte ich mich an IQOS gewöhnen. Mit der Zeit hatte ich ein paar Kniffe drauf, mit denen sich der eine oder andere defekte Heet reanimieren ließ. Nach relativ kurzer Zeit habe ich genauso viele Heets verbraucht wie Zigaretten früher. Wer Geld sparen möchte, ist bei IQOS falsch.

Betrieb und Wartung

Angenehm fiel mir auf, dass IQOS im Gebrauch recht sauber ist. Der eine oder andere Nichtraucher in meiner unmittelbaren Nähe monierte, dass IQOS nicht so gut röche. Mit zwei Metern Abstand nimmt aber niemand mehr etwas wahr. Auch die Wohnung und die Kleidung riechen nicht nach Aschenbecher. Es gibt keinen wahrnehmbaren Nebenrauch.

Leider ist IQOS nicht wartungsfrei. Spätestens nach jeder Schachtel Heets ist eine gründliche Reinigung fällig. Wenn die vernachlässigt wird, fängt es an, giftig zu schmecken und die Leistung geht zurück. Mitgeliefert wird ein Reinigungsaufsatz, und als Zubehör werden mit Alkohol getränkte Wattesticks verkauft. Die gibt es als Originalzubehör zu Phantasiepreisen und günstiger woanders.

Bei der Reinigung kommt Aschenbecher-Feeling auf. Die Wattesticks werden braun und schwarz, und allerlei verkokelte Krümelchen und Spänchen von den Heets fallen aus dem Gerät. Insgesamt nicht viel "Material", aber schon ein bisschen eklig. So ganz ohne Kokeln geht es bei IQOS nicht ab.

Leider ist es mir auch passiert, dass ich einen Heet falsch herum eingesteckt habe. Zunächst hatte ich Glück und habe den Fehler bemerkt, bevor ich das Gerät eingeschaltet habe. Als mich dieses Glück verließ, schmolz und kokelte das Filtermaterial und es schmeckte extrem giftig.

Ich habe den Stick danach sehr gründlich gereinigt, dann ohne Heet eingeschaltet, um irgendwelche Plastikreste zu verbrennen, und danach wieder gründlich gereinigt. Trotzdem schmeckte der nächste Heet sehr chemisch und giftig. Ich nehme an, dass es möglich ist, nach dem Motto "Augen zu und durch" einfach weiterzumachen, bis sich der giftige Geschmack irgendwann verliert. Aber meine Gesundheit ist mir dafür zu wichtig. Es hätte außerdem meinen Test verfälscht. Deshalb habe ich das Gerät entsorgt und ein neues angeschafft.

Suchtfaktor wie bei Zigaretten

Je länger ich dampfte, umso mehr ließ der Suchtdruck nach. Mit IQOS war es genau anders herum. Je mehr ich "heetete", umso mehr wollte ich. All die bekannten Tricks aus der Zigarettenproduktion scheinen auch bei IQOS Anwendung zu finden. Das Nikotin kommt schnell im Gehirn an. Der "Knall im Kopf" ist zwar nicht so laut wie bei der Zigarette, aber sehr viel lauter als bei der Dampfe.

Das hat bei mir zu einem stetig wachsenden Konsum von Heets geführt. Der Versorgungs- und Beschaffungsstress kehrte zurück, gerade so wie in meinen Rauchertagen: Habe ich noch genug? Komme ich an einer Tanke vorbei? Als sich zum erst angenehmen Throat Hit die ersten Hüsterchen gesellten, habe ich einem alten Reflex folgend zunächst an eine Erkältung gedacht. Es hat ein paar Wochen gedauert zu merken, dass ich Symptome verleugnete, so wie früher schon einmal.

Dampfern, die gelegentlich etwas "zigarettigeres" haben möchten, rate ich von IQOS ab. Es besteht die Gefahr, wegen des hohen Suchtdrucks immer mehr zu "heeten" und immer weniger zu dampfen. So ist man schnell ganz bei IQOS. Während ich gut aushalten kann, wenn die E-Zigarette mal ein paar Stunden fehlt, wurde ich mit IQOS bereits nach kurzer Zeit unleidlich. Alle halbe bis dreiviertel Stunde musste ich eine "heeten", damit meine Stimmung gut blieb.

Symptome

Nach etwa sechs Wochen mit IQOS kehrte bei mir der Raucherhusten zurück. Gelegentlich bemerkte ich auch ein leichtes Rasseln oder Pfeifen beim Atmen. Die Symptome waren deutlich schwächer ausgeprägt als zu Zigarettenzeiten, aber nichtsdestoweniger unangenehm. Allein die Kurzatmigkeit kehrte nicht in gleichem Umfang zurück wie zu Raucherzeiten, sondern nur ein bisschen.

IQOS fühlt sich für mich weniger schädlich an als die Zigarette, aber längst nicht harmlos. Näher bei der Zigarette als bei der E-Zigarette. Das mag daran liegen, dass ich meiner Lunge bereits früher zu viel zugemutet habe. Vielleicht bin ich aber auch gerade deshalb ein guter Indikator für die gesundheitlichen Auswirkungen.

Mein Fazit

Es fällt mir schwer zu verstehen, warum ein Produkt wie IQOS, das meinen Erfahrungen nach gesundheitlich schädlich ist, neu entwickelt, als harmlosere Alternative für Raucher vermarktet und breit verfügbar gemacht wird. Man kriegt IQOS inzwischen an jeder Tankstelle. Unser Staat subventioniert IQOS steuerlich, da er die Deklaration der Heets als Pfeifentabak zulässt. Philip Morris zahlt rund 2,50 EUR weniger Tabaksteuer pro Packung als für Zigaretten. Auf der anderen Seite wird öffentlich Stimmung gegen die Dampfe gemacht, die - zumindest auf meine Gesundheit - keinen schädlichen Einfluss hat. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

IQOS vermittelt ein sehr "zigarettiges" Gefühl, das ich angenehm finde. Die Reinigung finde ich lästig, und was dabei zu Tage kommt, sehe ich mir nicht gern an. Geschmacklich schneidet IQOS im Vergleich zur Dampfe bei mir nicht gut ab. Schmeckt nach Zigarette, aber eben sehr viel weniger. Kann man machen, muss man nicht. Kleider und Wohnung bleiben sauber, das ist fein. Die Mitmenschen sitzen nicht im Rauch, das ist schön. 

Wären meine Symptome aus Rauchertagen nicht zurückgekommen, hätte ich durchaus bei IQOS bleiben können und wollen. Es gibt einige Studien zu IQOS, die aber fast ausschließlich von Philip Morris finanziert sind. Das ruft schlechte Erinnerungen Zeiten wach, als die Tabakindustrie für Zigaretten argumentierte. Diese Studien bescheinigen IQOS eine geringere Schädlichkeit. Was sonst. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing? Das Deutsche Krebsforschungszentrum jedenfalls schließt einen solchen Interessenkonflikt in seiner Information zu Tabakerhitzern nicht aus.

Langzeitstudien zu IQOS existieren nach meinen Recherchen nicht. Meiner Meinung nach wären sie nötig. Mein Husten liefert ein erstes Verdachtsmoment. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass ich der einzige Mensch auf der Welt bin, der mit Symptomen auf IQOS reagiert. In Großbritannien hat es dreißig Jahre gedauert, in denen die Zahl der Lungenkrebstoten bei Rauchern statistisch immer mehr wuchs, bis man schließlich in den 50er Jahren großangelegte Langzeitstudien aufgesetzt hat. Hoffentlich geht es dieses Mal etwas schneller.

Persönlich halte ich IQOS für weniger schädlich als die Zigarette, aber in gleicher Weise für suchtbildend. Die Entwöhnung von IQOS fällt ähnlich schwer wie die Entwöhnung von der Zigarette. Wäre mir von Anfang an klar gewesen, dass das so schwierig werden würde, hätte ich auf das Experiment verzichtet. Nun kann ich davon berichten. So hat alles sein Gutes.

Für mich bleibt die Dampfe die einzige Alternative zur Zigarette. Nur ganz aufzuhören ist noch besser. Ich habe das Rauchen aufgegeben, weil ich wieder gesund sein wollte. Mit der Dampfe sind alle meine Rauchersymptome verschwunden. Mit IQOS kehrten sie zurück, wenn auch etwas milder. Mit IQOS fühle ich mich nicht gesund, sondern nur ein bisschen weniger krank. Mir persönlich reicht das heute nicht mehr.

Meine Empfehlung

Wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen mit dem Rauchen aufhören möchten und sich wünschen, dass Raucherhusten und Kurzatmigkeit verschwinden, dann geben Sie der E-Zigarette eine Chance. Mit IQOS gelingt das meiner Erfahrung nach nicht. Unten habe ich Ihnen zum Ausprobieren einige handliche E-Zigaretten zusammengestellt, die sehr einfach zu bedienen und trotzdem leistungsfähig sind. Machen Sie sich Ihr eigenes Bild!

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