Kostenloser Versand ab € 50,- Bestellwert
7,5% Rabatt ab € 75,- Bestellwert
Morgens bestellt, am gleichen Tag versandt*
Kostenlose Hotline 0800 123 454 321

ARTE-Film "Nikotin - Droge mit Zukunft" verpasst Chance zur Aufklärung von Rauchern!

Der Fernsehsender ARTE zeigt derzeit die Dokumentation „Nikotin – Droge mit Zukunft“ (Erstausstrahlung 22.09.2020). Bis 20. November 2020 wird die Dokumentation immer wieder im Fernsehen ausgestrahlt, auf ARTE.TV ist sie jederzeit abrufbar.

Die Doku zeigt, wie sich der Nikotinkonsum wandelt und wie die Tabakindustrie dabei agiert. Sie geht in die Vergangenheit und zeigt, wie die Tabakindustrie nachweislich gelogen hat, als sie versicherte, dass die Tabakzigarette weder gesundheitsschädlich noch krebserregend sei. Nun kommt die Tabakindustrie mit neuen Produkten auf den Markt, um ihre Kunden zu behalten und neue zu gewinnen. Einhergehend mit der Beteuerung, dass diese Produkte weniger gesundheitsschädlich seien. Aber wer glaubt  der Zigaretten-Industrie? Sie hat früher gelogen, um ihre Profite zu steigern, warum sollte sich das geändert haben?

Die Dokumentation heißt „Nikotin - Droge mit Zukunft“ und ja, Nikotin ist ein Suchtmittel und ein sehr effektives dazu. Mit Nikotin im Besonderen befasst sich der Film allerdings nicht. Er geht mit der Tabakindustrie ins Gericht, und übersieht dabei völlig, dass die E-Zigarette ursprünglich kein Produkt der Tabakindustrie ist. Die moderne E-Zigarette wurde im Jahr 2002 von dem Chinesen Hon Lik erfunden und wird seit etwa 2007 weltweit hergestellt und vertrieben. Erst im Jahr 2012, als die Tabakindustrie die starke Konkurrenz wahrnahm, sprang sie auf den Zug auf und produziert seither selbst E-Zigaretten und seit 2017 auch sogenannte Tabakerhitzer.

Da die Tabakindustrie inzwischen E-Zigaretten vermarktet, verzichtet die Dokumentation darauf auszuführen, dass nicht das Nikotin die Menschen krank macht, sondern vielmehr die bis zu 4.800 bei der Verbrennung einer Zigarette entstehenden giftigen Stoffe. Darunter hochgiftige Substanzen wie Kohlenmonoxid, Blausäure oder Dioxin, und Teer. Nachzulesen z.B. bei Lungenärzte im Netz. Und diese Stoffe sind allesamt nicht in E-Zigaretten enthalten.

44% aller Raucher wollen das Rauchen aufgeben. Bei Frauen liegt der Anteil sogar bei 53% (Umfrage der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) aus 2017). Tatsächlich erreichen aber nur wenige der Aufhörwilligen Ihr Ziel – wir kennen sie alle, die Raucher, die uns stolz erzählt haben, dass sie aufgehört haben, und bei der nächsten Party wieder mit Zigarette gesehen werden.

Den wenigsten Rauchern haben die Enthüllungen über die Tabakindustrie und die offene Diskussion über die Gesundheitsgefahren dabei geholfen, tatsächlich das Rauchen aufzugeben. Jeder Raucher kennt heute die Gefahren, aber die Sucht ist stärker. Es wird weiter geraucht. Dennoch sehnen sich viele Raucher nach einem Ausweg und möchten die Zigarette hinter sich lassen.

In der Doku wird ein E-Zigaretten-Laden in Paris gezeigt. Eine Kundin erzählt über ihre Erfahrungen mit Nikotin-Ersatzprodukten und dass sie mit der E-Zigarette endlich von der Tabakzigarette losgekommen ist. Die Ladenbesitzerin verfolgt eine klare Mission: Rauchern, die von der Tabakzigarette loskommen wollen und es nicht schaffen, die E-Zigarette als wirksames Hilfsmittel zu empfehlen. In diesem Laden geht es definitiv nicht darum, Jugendliche zu Vapern zu machen! Leider bleibt diese kurze Episode zu Anfang des Films die einzige konstruktive Auseinandersetzung mit dem Rauchstopp mit Hilfe von E-Zigaretten.

Nichtraucher sind weder die potentiellen noch die gewünschten E-Zigaretten-Konsumenten. Das sagt der Drogenbericht der Bundesregierung, in dem zu lesen ist, dass 98,3 % der Nie-Tabakraucher auch Nie-E-Zigarettenkonsumenten sind und nur 0,3 % der Nie-Tabakraucher nun E-Zigaretten verwenden. Im Umkehrschluss heißt das, dass E-Zigaretten eben nicht von Nichtrauchern und insbesondere Jugendlichen konsumiert werden, sondern von ehemaligen Tabakrauchern. 

Weiter heißt es im Drogenbericht der Bundesregierung „Auch wenn noch keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit von E-Zigaretten zur Tabakentwöhnung vorliegt, ist sie in der Praxis die am häufigsten eingesetzte Methode zur Unterstützung der Tabakentwöhnung. Seit 2014 geben jedes Jahr etwa drei Prozent der Raucherinnen und Raucher an, einen Rauchstopp mithilfe von E-Zigaretten versucht zu haben. Der Anteil der ehemaligen Raucher, die unter Einsatz von E-Zigaretten mit dem Rauchen aufgehört haben, stieg von 0,2 Prozent im Jahr 2014 auf 1,8 Prozent im Jahr 2017 an (DKFZ, 2018).“

Aber leider geht es der Dokumentation nicht darum, Rauchern zu zeigen, dass es weniger schädliche Alternativen zur Tabakzigarette gibt, die vielleicht den Weg zur gänzlichen Entwöhnung ebnen können.

Als ultimativen Experten präsentiert der Film Prof. Stanton Glantz, der klar Stellung gegen die E-Zigarette bezieht, dabei aber jeden Beweis oder Beleg schuldig bleibt. Er gibt sich wissend und lehrerhaft und kommt wie Santa Claus in der Shopping-Mall daher. Spricht davon, dass die Aerosole, die bei der Verdampfung der Liquids mit der E-Zigarette entstehen „ungeheuer gefährlich“ seien. Und dass man „nun, da die E-Zigaretten eine Weile auf dem Markt sind, beobachten kann, dass Menschen, die E-Zigaretten konsumieren, mehr Herzinfarkte haben, mehr Schlaganfälle und mehr Lungenkrankheiten“. Da, wie bereits ausgeführt, die allermeisten Vaper vorher Raucher waren, gibt es keinerlei Studie dazu, ob Vaper eben diese Krankheiten häufiger erleiden als Menschen, die noch nie geraucht und/oder E-Zigaretten konsumiert haben. Dennoch kommt Glantz allwissend schauend zu dem Schluss, „Am Ende werden wir wahrscheinlich erkennen, dass E-Zigaretten fast genauso schädlich sind wie herkömmliche Zigaretten“ – und wieder ohne jeden Beleg.

Prof. Stanton Glantz ist ein wahrer Kämpfer gegen Tabak. Nebenbei sei erwähnt, dass er kein Mediziner ist, sondern Ingenieur. Seit 1978 engagiert er sich in diesem Thema und kämpft für die Rechte von Nichtrauchern. Das ist sehr löblich. Doch inzwischen nimmt er es mit Zahlen und Fakten nicht mehr so genau und hat gegen alles, was mit Nikotin zu tun hat, eine klare Meinung. Sei sie nun belegbar oder nicht. So gab er in seinem Blog der Universität von Kalifornien Ende Dezember 2018 folgendes zum Besten „Using e-cigs increases exposure to toxic chemicals for most users; they would be better off just smoking“. Darüber hinaus wurde eine von ihm vom Journal of the American Heart Association (JAHA) veröffentlichte Studie, die implizierte, dass E-Zigaretten Herzinfarkte verursachen, im Februar dieses Jahres von der JAHA wieder zurück gezogen. Ein wirklich ungewöhnlicher Vorgang, aber es wurde bewiesen, dass Glantz und sein Co-Autor Bhatta schlampig und unrichtig gearbeitet hatten, um ihre Thesen zu stützen! Prof. Dr. Brad Rodu, Tabakforscher an der Universität von Louisville, kam in einer Analyse der ausgewerteten Zahlen u.a. zu dem Schluss, dass Glantz‘ Studie ehemalige Raucher einschloss, die einen Herzinfarkt erlitten hatten, bevor sie E-Zigaretten konsumiert hatten, einige sogar, bevor es E-Zigaretten überhaupt gab.

Warum ARTE einem derart umstrittenen „Fachmann“ in der Dokumentation so viel Raum gibt und seine Aussagen ungeprüft als Wahrheit präsentiert, ist mir schleierhaft. Ich kann nur vermuten, dass die Macher der Doku zu Stanton Glantz nicht gut recherchiert haben, was nicht zu entschuldigen wäre. Mit ein bisschen Recherche hätten sie z.B. herausgefunden, dass Glantz in der Doku die „Foundation for a Smokefree World“ als von der Tabakindustrie gekaufte Organisation darstellt, während er selbst u.a. seine Organisation „Americans for Nonsmokers‘ Rights“ von Johnson & Johnson, Hersteller der Nicorette-Produkte, unterstützen lässt. Sieht man da etwa keinen Interessenskonflikt? Das Geschäft mit Nikotinpflastern und -kaugummis ist milliardenschwer.

Und dann EVALI, die Lungenkrankheit, die im Sommer und Herbst 2019 in den USA aufgekommen ist und für zahlreiche Schlagzeilen gesorgt hat. Der Film zeigt einen US-amerikanischen Jugendlichen, der schwer erkrankte, weil er E-Zigaretten konsumiert hat. Und der Film behauptet immer wieder, dass er krank wurde, weil er E-Zigaretten konsumierte. Es ist jedoch inzwischen bekannt, dass Vitamin-E-Acetat mit den Krankheitsfällen in Zusammenhang steht. Es hat eine ähnliche Konsistenz wie zum Dampfen extrahierte Cannabisöle und konnte in THC-haltigen E-Liquids nachgewiesen werden, denen es wohl als Streckmittel zugesetzt wurde. Laut der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC hatten EVALI-Patienten zuvor mit THC versetzte E-Liquids genutzt. Handelsüblichen Liquids wird definitiv kein Vitamin-E-Acetat zugesetzt! Nach dem Bekanntwerden der Verursacher-Substanz sind keine neuen Fälle von EVALI in den USA aufgetreten und das CDC hat am 25. Februar 2020 mitgeteilt, dass es keine weiteren Updates dazu geben wird. Der junge Mann, dessen Schicksal sicherlich sehr schlimm ist, hat also die E-Zigarette zum Kiffen verwendet. Das allein ist noch kein Problem, aber er hat auf der Straße mit Vitamin- E-Acetat gepanschtes Liquid gekauft. Das hat ihn krank gemacht. Was dies in einer Dokumentation über Nikotin zu suchen hat, beantworten die Macher indes nicht.

Hier möchte ich gerne auf einen Artikel im Presseportal verweisen, der besonders den Teil der Doku, der sich mit EVALI beschäftigt, kommentiert: EVALI - E-Zigaretten, tödliche (Ent-) Täuschung und einen netten Vergleich mit Getränken anstellt! Ebenso auf den Gastbeitrag von Prof. Bernd Mayer bei der Interessengemeinschaft E-Dampfen e.V. 

Lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn Sie sich entschieden haben, die E-Zigarette zur Rauchentwöhnung zu nutzen! Natürlich ist es am besten, gar kein Nikotin, weder im Rauch noch im Dampf, zu inhalieren. Als ob wir das nicht alle wüssten! Und natürlich möchte ich NICHT, dass unsere Kinder, wenn sie es zum Glück geschafft haben, in der Jugend nicht das Rauchen zu beginnen, nun Vaper werden! Aber als erwachsener Raucher sollte man die Möglichkeiten der E-Zigarette kennen und in Erwägung ziehen.

Das Thema "Nikotin - Droge mit Zukunft" verfehlt die ARTE Dokumentation weitestgehend. Was ist Nikotin, wie schädlich ist Nikotin wirklich, warum werden Menschen abhängig von Nikotin, und wie kann stark abhängigen Rauchern geholfen werden? Dass die Tabakindustrie nun ebenfalls E-Zigaretten anbietet, haben die Macher des Films als ausreichend befunden, die E-Zigarette im Gleichklang mit der Tabakindustrie zu verteufeln, und stützen sich dabei fast ausschließlich auf Aussagen des umstrittenen Stanton Glantz. Was der Film erreichen möchte, bleibt mir jedenfalls unklar. Er wird keinen Jugendlichen, der vorhat mit Zigaretten zu experimentieren, davon abhalten. Und erwachsende Raucher wird die Doku eher bestärken, beim Rauchen zu bleiben, statt auf nachgewiesen weniger schädliche Alternativen zu wechseln. Der Film möchte gern investigativ sein, versagt dabei aber völlig. Einen Beitrag zur Aufklärung von Rauchern, die ihr Risiko reduzieren möchten, leistet der Film nicht. Schade! In Großbritannien, wo die E-Zigarette von den Gesundheitsbehörden offiziell für die Rauchentwöhnung empfohlen wird, sind die aktuellen Raucherzahlen inzwischen so niedrig wie nie zuvor. Das Ergebnis konsequenter, sachgerechter Aufklärungsarbeit!

Ich empfehle Ihnen statt der ARTE Dokumentation den Youtube-Kanal von Prof. Bernd Mayer, Bereichsleiter der Pharmakologie und Toxikologie der Karl-Franzens-Universität Graz, der Ihr Vorhaben unterstützen wird. Und wenn Sie etwas über Nikotin erfahren wollen, lesen Sie seinen Aufsatz zur Frage, ob Nikotin ein Gift ist

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.