Aktuelle Stellungnahme von Public Health England zu den Krankheitsfällen in den USA

Seit Mitte September 2019 warnen Schlagzeilen auf der ganzen Welt wegen des Ausbruchs einer schweren Lungenerkrankung in den USA, die mit dem Dampfen in Verbindung gebracht wurde. Bis zum 22. Oktober wurden dem Center for Disease Control (CDC) 1.604 Fälle aus 49 US-Bundesstaaten gemeldet, darunter 34 Todesfälle. 

[Anmerkung der Redaktion: Zwischenzeitlich (Stand Mai 2020) hat sich herausgestellt, dass die Krankheitsfälle durch Vitamin E Azetat ausgelöst wurden, das amerikanische Straßenhändler THC-haltigen E-Liquids zugesetzt haben, um es zähflüssiger zu machen. Damit sollte den Kunden ein höherer THC-Anteil vorgetäuscht werden. Derartige Liquids sind in Deutschland verboten und werden von vapee.de nicht vertrieben. Inzwischen gilt als gesichert, dass die Vorkommnisse in den USA auf den missbräuchlichen Umgang mit der E-Zigarette zurückgeführt werden können.]

Im Auftrag der britischen Regierung untersucht Public Health England (PHE) seit 2015 die Eignung der E-Zigarette zur Unterstützung des Rauchstopps und kommt zu dem Schluss: Raucher reduzieren durch den Umstieg ihr Gesundheitrisiko um 95% und ihr Krebsrisiko um 99,5%. Basierend auf diesen Ergebnissen werden Raucher in Großbritannien von den Gesundheitsbehörden offiziell zum Wechsel ermutigt und dabei aktiv unterstützt.

PHE zeigt sich in einer aktuellen Stellungnahme zu den Krankheitsfällen in den USA besorgt, dass die bisherigen Reaktionen in den USA und anderen Ländern die weit verbreitete Fehleinschätzung befördern könnten, die E-Zigarette berge unkalkulierbare Risiken. Dies könne dazu führen, dass Raucher nicht umsteigen und Dampfer wieder zur Zigarette greifen. "Dies gefährdet ohne Zweifel Leben." PHE bekräftigt deshalb ausdrücklich seine Empfehlung, dass Raucher vollständig zur E-Zigarette wechseln sollten.

Nikotinhaltige E-Zigaretten seien in Europa nach der europäischen Tabakwarenrichtlinie sehr viel strenger reguliert als in den USA. Bisher habe das EU-Frühwarnsystem-Netzwerk der EBDD keine Krankheitsfälle wie in den USA gemeldet, so PHE weiter.

Zum aktuellen Stand der Untersuchungen berichtet Dr. Dana Meaney-Delman, Leiterin des CDC-Teams, das den Ausbruch untersucht: "Wir führen dies klar auf THC-haltige Produkte zurück, die von den meisten Patienten verwendet wurden, die eine Lungenverletzung erleiden. Der oder die spezifischen Stoffe, die verantwortlich sind, haben wir noch nicht eindeutig identifiziert". THC ist die wichtigste psychoaktive Komponente von Cannabis. Laut CDC stammen die für die Krankheit verantwortlichen Produkte von der Straße oder aus anderen informellen Quellen (z.B. Freunde, Familienmitglieder oder illegale Händler). Das CDC warnt davor, THC-haltige Produkte zu verwenden. Wer E-Zigaretten verwendet, um mit dem Rauchen aufzuhören, soll auch nach Auffassung des CDC nicht zur Tabakzigarette zurückkehren. 

Bewertung

Das Thema Rauchentwöhnung wird in Großbritannien sehr ernst genommen. Der Staat finanziert neutrale Forschung und unterstützt Raucher aktiv dabei, von der Zigarette loszukommen. Es ist bedauerlich, dass offizielle Stellen hierzulande ein vergleichbares Engagement vermissen lassen.

In Ländern wie den USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Polen oder der Schweiz wurde die Forschung zur E-Zigarette intensiviert, während für Deutschland nur sehr wenige Studien vorliegen. Eine sachliche Berichterstattung in den Medien fand in den letzten Jahren nicht oder nur ansatzweise statt. Dies führte dazu, dass die Nutzer von E-Zigaretten oder potentiell interessierte Personen sich vorwiegend auf den Händlerseiten oder in den Foren im Internet informiert haben. Es hat sich eine sehr gut informierte Dampfer-Community herausgebildet, die sich weder von der Berichterstattung, noch von der Politik oder der Forschung wahrgenommen fühlt. 

Auch hierzulande erwarten wir ein klares, zukunftsorientiertes und aktives politisches Handeln zur Entwicklung von Zukunftsperspektiven für Raucher. Wir bekommen nicht einmal das Verbot der Zigarettenwerbung. Neue Produkte der Tabakindustrie mit höherem Gesundheitsrisiko als die E-Zigarette werden steuerlich subventioniert. Die offizielle Empfehlung an Raucher lautet: Hör auf oder stirb. Das ist zu wenig.

Es hat den Anschein, das politische Handeln in Deutschland zielt auf eine Erhaltung des Status Quo ab. Das mag daran liegen, dass die Kosten des Rauchens in Deutschland von den Sozial- und Krankenkassen getragen werden, während der Staat die Tabaksteuer einnimmt. In Großbritannien wird das Gesundheitssystem aus Steuermitteln finanziert. Der Staat leistet die Aufklärungsarbeit dort im eigenen Interesse. 

Dass eine sachliche Aufklärung zur E-Zigarette bei uns nahezu ausschließlich über informelle Kanäle stattfindet, ist problematisch, weil deren Reichweite begrenzt ist. In der digitalen Welt lebt jeder in einer Informationsblase, in der er hauptsächlich Dinge erfährt, die mit seinen persönlichen Interessen zu tun haben. Die Informationen der Dampfer-Blase erreichen hauptsächlich Dampfer. Vergleichsweise wenig davon dringt zur Mehrheit der Raucher durch.

Je länger die Untersuchungen in den USA andauern, umso klarer zeichnet sich ab, dass die Krankheitsfälle auf einen missbräuchlichen Umgang mit der E-Zigarette zurückgeführt werden können. Wer statt zugelassener Liquids irgendwelche anderen Flüssigkeiten verdampft, geht ein unkalkulierbares Risiko ein. Ebenso der, der sein Haustier in der Waschmaschine wäscht. In allen Fällen kann Schlimmes kann passieren. Ein Generalverdacht gegen Waschmaschinen oder E-Zigaretten wegen sowas ist nicht vernünftig.

Wir halten es für dringend erforderlich, dass offizielle Stellen sich bei uns ebenso stark engagieren wie es in anderen europäischen Ländern längst üblich ist, um eine sachgerechte Aufklärung der breiten Öffentlichkeit zu erreichen. Institutionen wie PHE können als Vorbild dienen. 20 Millionen rauchende Wähler haben ebenso wie 2 Millionen Dampfer in Deutschland einen Anspruch auf sachliche Information. 

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